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Kaffee im Sommer: ja oder nein? Wann heißer und wann Eiskaffee die bessere
Ja, Kaffee gehört zum Sommer – ob heiß oder eisgekühlt. Wenn Sie aus diesem Artikel nur einen einzigen Satz mitnehmen, dann diesen: Kaffee besteht zum größten Teil aus Wasser und trägt daher bei normalem Konsum zuverlässig zur Flüssigkeitszufuhr bei. Und vielleicht überrascht es Sie, dass Sie unter den richtigen Bedingungen sogar eine heiße Tasse Kaffee abkühlen kann. Wann sollten Sie also zu Eiskaffee greifen – und wann darf es ruhig ein heißer sein?
Gehören Sie zum Team Heißer Kaffee oder zum Team Eiskaffee?
Entscheidend ist die Luftfeuchtigkeit, nicht das Thermometer. Bei trockener Hitze kann auch heißer Kaffee sinnvoll sein, während bei schwüler Luft Eiskaffee die bessere Wahl ist.
| Wann und warum | Heißer Kaffee | Eiskaffee / Cold Brew |
|---|---|---|
| Der beste Zeitpunkt | Ráno, Morgens, vormittags, in klimatisierten Räumen | Heißer Nachmittag, Abend auf der Terrasse |
| Ideales Wetter | Trockene Hitze mit Luftbewegung | Schwüle, feuchte Luft, Windstille |
| Geschmack | Volles Aroma, Körper, bittere Tiefe | Frisch, milder, weniger säurebetont |
| Säure | Höhere (heiße Extraktion) | Niedrigere (die kalte Extraktion bringt die Süße stärker zur Geltung) |
| Eignet sich für | Ruhiges Sitzen am Morgen | Für unterwegs, den Garten, den Urlaub, am Steuer |
Eine heiße Tasse Kaffee genießen die meisten Menschen am liebsten am Morgen oder Vormittag. Wenn Sie ihn langsam trinken, entfaltet er sein volles Aroma, seinen Körper und seine bittere Tiefe. Er passt auch hervorragend ins klimatisierte Büro. Im Gegensatz dazu erfrischt Eiskaffee sofort und ist wie geschaffen für heiße Nachmittage, unterwegs oder am Steuer auf dem Weg in den Urlaub.
Kaffee ist im Sommer kein Feind
Einer der hartnäckigsten Mythen ist wohl, dass Kaffee bei Hitze „dem Körper Wasser entzieht“. Das stimmt nicht. Er besteht nämlich hauptsächlich aus Wasser. Koffein wirkt zwar leicht harntreibend, aber um eine tatsächliche Dehydrierung zu spüren, müsste man eine ungewöhnlich große Menge davon trinken.
Studien zur Flüssigkeitsversorgung zeigen übereinstimmend, dass ein Problem erst bei Mengen von über etwa 400 mg Koffein pro Tag entsteht. Bis dahin versorgt Kaffee den Körper fast genauso gut mit Flüssigkeit wie reines Wasser. Und wer regelmäßig Kaffee trinkt, bei dem nimmt die harntreibende Wirkung ganz natürlich ab.
Wasser bleibt natürlich nicht nur im Sommer die Grundlage einer guten Flüssigkeitsversorgung und Kaffee ersetzt es nicht. Wenn Sie jedoch befürchten, dass Sie zwei bis drei Tassen Kaffee am Tag austrocknen, müssen Sie sich keine Sorgen machen.
Kühlen wirklich heiße Getränke ab?
Wenn Sie ein heißes Getränk trinken, beginnt der Körper etwas stärker zu schwitzen. Da die Verdunstung des Schweißes die Wärme aus dem Körper abführt, können Sie sich dadurch stärker abkühlen, als die Wärme, die Ihnen der Kaffee zugeführt hat. Diesen Effekt machte der Physiologe Ollie Jay bekannt. In seiner Studie aus dem Jahr 2012 speicherte der Körper nach einem warmen Getränk letztlich weniger Wärme als nach einem kalten..
Trockene Hitze vs. Schwüle
- Trockene Hitze: Der Schweiß verdunstet schnell, die Kühlung des Körpers funktioniert optimal. Ein Filterkaffee oder Espresso am Morgen passt auch im Sommer hervorragend.
- Schwüle und feuchte Luft: Die Luft ist mit Feuchtigkeit gesättigt, der Schweiß bleibt auf der Haut und heißer Kaffee bringt keine Erleichterung. Greifen Sie lieber zu Cold Brew, einem Iced Americano oder Espresso Tonic.
Der Unterschied bei der Abkühlung ist allerdings nicht so dramatisch, daher macht es definitiv keinen Sinn, in der Mittagshitze literweise kochend heißen Kaffee zu trinken.
Cold Brew als ideale Sommer-Variante
Wenn wir eine besonders empfehlenswerte Sommer-Variante hervorheben sollen, dann ist es Cold Brew, also Kaffee, der in kaltem Wasser extrahiert wird, und dabei überhaupt nicht mit heißem Wasser in Kontakt kommt. Kaltes Wasser extrahiert bestimmte Stoffe langsamer und in geringerer Menge. Das Ergebnis ist meist weniger Bitterkeit, eine geringere Säure und ein natürlich süßerer Geschmack.
Dieser Sommerhit entstand nicht erst vor zehn Jahren in irgendeinem Hipster-Café. Die Methode wird in Japan nachweislich mindestens seit dem 17. Jahrhundert verwendet, wobei der Kaffee durch kaltes Wasser Tropfen für Tropfen extrahiert wird – und das durchaus acht Stunden lang. Es wird erzählt, dass die Japaner sie von niederländischen Händlern übernommen haben, die einen Kaffee benötigten, der eine lange Seereise überstand und an Bord des Schiffes kein Feuer erforderte.
Wie wird er zubereitet?
Mahlen Sie den Kaffee grob (wie für eine French Press), übergießen Sie ihn mit kaltem Wasser im Verhältnis von etwa 1:10 und lassen Sie ihn 12–24 Stunden im Kühlschrank ziehen. Die einfachste Lösung bietet der Hario Mizudashi 600 ml – Cold Brew Zubereiter: Sie geben den Kaffee hinein, füllen Wasser auf und am Morgen ist alles fertig.
Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung finden Sie im Ratgeber Cold Brew selber machen und weitere Ideen im Artikel Rezepte für Sommergetränke: von Cold Brew bis Fruchtpunsch. Dank der reduzierten Bitterkeit eignen sich hellere Röstungen und fruchtigere Arabica-Kaffees am besten.
Ist es Ihnen schon passiert, dass Ihr selbst zubereiteter Cold Brew zu schwach oder zu sauer ist? Das sind die drei häufigsten Ursachen:
- zu feine Mahlung (trüber, bitterer Kaffee),
- zu wenig Kaffee im Verhältnis zum Wasser (wässriger Geschmack),
- zu kurze Ziehzeit (ein wenig ausgeprägtes, säuerliches Ergebnis).
Damit das nicht mehr passiert, mahlen Sie den Kaffee grob, halten Sie ein Verhältnis von mindestens 1:10 ein und geben Sie dem Cold Brew Zeit – ruhig eine ganze Nacht.
Wie viel Koffein nimmt man eigentlich zu sich?
Achten Sie besonders auf Cold Brew. Durch das hohe Verhältnis von Kaffee zu Wasser und die lange Extraktionszeit enthält er oft mehr Koffein, als man bei einem „kalten, milden“ Kaffee vermuten würde.
| Getränk | Ungefährer Koffeingehalt pro Portion |
|---|---|
| Koffeinfreier Kaffee | 2–15 mg |
| Espresso | ~60–80 mg |
| Filterkaffee / aufgebrühter Kaffee | ~90–140 mg |
| Cold brew (verdünnt) | ~100–200 mg |
Wussten Sie, dass in den heißesten Ländern der Welt ganz selbstverständlich heiße Getränke getrunken werden? Von der Türkei bis nach Nordafrika gehört nicht nur heißer Kaffee zum Sommer genauso selbstverständlich wie bei uns eine Himbeerlimonade.
Worauf Sie im Sommer achten sollten
Verlassen Sie sich nicht auf Kaffee als einzige Flüssigkeitsquelle, Wasser bleibt weiterhin die Grundlage. Achten Sie außerdem auf die gesamte Koffeinmenge, vor allem wenn Sie zusätzlich zu Kaffee Cola oder Energy-Drinks trinken. Trinken Sie Kaffee nicht zu spät, wenn er Ihren Schlaf beeinträchtigt. Bei Eiskaffees sollten Sie auf Zucker, Sirupe und Sahne achten. Aus einer Erfrischung kann schnell eine Kalorienbombe werden.
Tipp der Baristas von Plantagen-Kaffee: Den besten sommerlichen Cold Brew erkennen Sie daran, dass Sie ihn nicht süßen müssen. Setzen Sie auf frisch gerösteten, fruchtigeren Arabica-Kaffee und mahlen Sie ihn erst kurz vor der Zubereitung.
Wenn wir alle Erkenntnisse zusammenfassen, ergibt sich daraus eine ziemlich einfache Schlussfolgerung. Im Sommer müssen Sie sich um Kaffee keine Gedanken machen. Sie müssen nicht darauf verzichten und auch nicht ihretwegen einen Liter Wasser extra trinken. Und es gibt definitiv keinen Grund zu glauben, dass Sie sich mit einem heißen Espresso an einem tropischen Tag schaden.