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Cold Brew selber machen – Anleitung (nicht nur) für Anfänger

3. 7. 2025 5 Minuten Lesen
Innerhalb weniger Stunden entsteht aus einfachen Kaffeebohnen und kaltem Wasser ein Getränk, das auch ganz ohne Zucker und Milch begeistert. Cold Brew setzt bei der Extraktion der besten Aromen aus Kaffee nicht auf Hitze, sondern auf Zeit. Lernen Sie alle nützlichen Tricks – von der Auswahl der richtigen Bohnen bis hin zum perfekten Mischverhältnis der Zutaten.

Cold Brew ist keine neue Erfindung. Ähnliche Techniken nutzten bereits japanische Seeleute im 17. Jahrhundert, wenn sie an Bord Kaffee genießen wollten, sich aber vor offenem Feuer fürchteten. Die heutige Welle stammt jedoch aus den USA, wo Kaffee-Enthusiasten um das Jahr 2010 entdeckten, dass kalte Extraktion ganz andere Geschmacksnoten aus den Bohnen hervorbringen kann als heißes Wasser.

Heute findet man Cold Brew in den meisten Cafés, ganze Supermarktregale sind mit Flaschenkonzentraten gefüllt, und auch die Zubereitung zu Hause ist äußerst beliebt geworden.

Anderes Wasser = anderer Geschmack

Wenn heißes Wasser auf das Kaffeebohnenpulver trifft, passiert etwas Ähnliches wie beim Auflösen einer Brausetablette – alles wird auf einmal freigesetzt. Säuren, Bitterstoffe, Süße, Aromen – einfach alles. Bei kaltem Wasser läuft das jedoch ganz anders ab.

Über die langen Stunden der Extraktion werden vor allem fruchtige Noten, natürliche Süße und feine Aromen aus den Bohnen gelöst. Säure- und Bitterstoffe hingegen bleiben meist zurück. Genau deshalb lieben viele Menschen Cold Brew – vor allem jene, die herkömmlichen Kaffee wegen seiner Säure nicht mögen.

Nicht jeder kalte Kaffee ist Cold Brew

Hier muss ein häufiger Irrtum aufgeklärt werden: Nicht alles, was kalt ist und nach Kaffee aussieht, ist auch Cold Brew. Der Unterschied zwischen Cold Brew und abgekühltem heißen Kaffee ist wie der zwischen Rotwein und Sangria – die Zutaten sind ähnlich, aber der Geschmack ist völlig anders.

Beim Cold Brew kommt heißes Wasser überhaupt nicht zum Einsatz. Der gesamte Prozess läuft kalt ab und dauert mehrere Stunden. Abgekühlter Kaffee – in diesem Fall oft als Chilled Brew bezeichnet – ist ganz einfach normal gebrühter Kaffee, der nur heruntergekühlt wurde. Er behält daher all seine ursprünglichen Eigenschaften – einschließlich Säure und Bitterkeit..

Der Unterschied zeigt sich vor allem im Geschmack: Cold Brew ist weicher, hat eine geringere Säure und zeichnet sich durch natürliche Süße sowie fruchtige oder florale Noten aus. Chilled Brew hingegen schmeckt oft kräftiger und intensiver.

 

 

Die 5 häufigsten Fehler bei der Zubereitung von Cold Brew

Zu fein gemahlen wie für Espresso ist einer der häufigsten Fehler. Fein gemahlener Kaffee hat eine viel größere Oberfläche, die mit dem Wasser in Kontakt kommt. Kaltes Wasser zieht dadurch zu viele Stoffe gleichzeitig aus den Bohnen, was dazu führen kann, dass auch Bitter- oder zusammenziehende Aromen in das Getränk gelangen. Cold Brew setzt hingegen auf langsames Auslaugen und feine Geschmacksnoten. Der richtige Mahlgrad für Cold Brew sollte an Meersand oder grobes Salz erinnern.

Falsches Verhältnis der Zutaten

Kaltes Wasser kann weniger Stoffe aus den Kaffeebohnen extrahieren als heißes, deshalb braucht man mehr Kaffee. Bei normalem Filterkaffee reichen oft etwa 60 Gramm Kaffee pro Liter Wasser. Für Cold Brew benötigt man jedoch 60 bis 200 Gramm pro Liter. Das hängt davon ab, ob man ein Konzentrat herstellen möchte, das später verdünnt wird, oder gleich ein trinkfertiges, mildes Getränk. Es gibt jedoch kein universelles Rezept – es kommt auf die Kaffeesorte, den Mahlgrad und die Ziehzeit an.

Falsche Vorstellung von der Temperatur

„Kalt“ im Namen bedeutet nicht unbedingt eiskalt. Raumtemperatur funktioniert oft besser als Wasser direkt aus dem Kühlschrank. Bei zu niedriger Temperatur findet fast keine Extraktion statt, und man kann den ganzen Tag warten – ohne Ergebnis. Ideal sind Temperaturen zwischen 15 und 25 Grad. Im Sommer ist die Raumtemperatur perfekt, im Winter vielleicht etwas wärmeres Wasser, aber auf keinen Fall heißes.

Unterschätzung der Ziehzeit und Vernachlässigung der Hygiene

Cold Brew erfordert Geduld. Die ideale Extraktionszeit liegt zwischen 12 und 20 Stunden. Kürzere Ziehzeiten (z. B. 6–8 Stunden) können zu einem schwachen, wässrigen Geschmack führen, während zu lange Zeiten (über 24 Stunden) Bitterkeit verursachen können. Erfahrene Enthusiasten experimentieren manchmal mit längeren Zeiten, aber für die meisten Heimzubereitungen sind 14 bis 18 Stunden optimal.

Denken Sie daran: Eine zu kurze Extraktion ergibt einen schwachen Kaffee, eine zu lange birgt das Risiko unerwünschter Geschmacksnoten. Cold Brew wird bei Temperaturen zubereitet, die Bakterien nicht abtöten, daher ist es wichtig, saubere Behälter, qualitativ hochwertiges Wasser zu verwenden und das fertige Getränk sofort im Kühlschrank aufzubewahren.

Kaffeewahl nach Geschmack

Kolumbianische Kaffees sind bekannt für ihren ausgewogenen Geschmack, eine mittlere Säure und feine fruchtige Noten, oft mit Zitrusnuancen. Beim Cold Brew werden diese Zitruselemente milder – statt der scharfen Limette spürt man eher eine sanfte Grapefruit- oder Orangenschalen-Note. Typische nussige oder kakaohaltige Untertöne treten bei der kalten Extraktion stärker hervor.

Diese Auswahl ist ideal für alle, die mit Cold Brew gerade erst anfangen. Zum Beispiel behält der kolumbianische „Huila Women’s Coffee Project“ seine Vielschichtigkeit, verliert dabei aber die harten Noten, die er im Espresso haben kann.

Honduras für Schokoladenliebhaber

Beim Cold Brew aus honduranischem Kaffee dominiert der Schokoladengeschmack, der angenehm von leichten Fruchtnoten ergänzt wird. Das Ergebnis ist ein reichhaltiges, dabei aber ausgewogenes Getränk. Dank mittlerer Säure bleibt das Getränk lebendig, ohne aufdringlich zu sein. Genau diese Kontraste zeichnen den Honduras Finca La Hacienda aus.

Brasilien für Anfänger und Erfahrene

Brasilianische Kaffees sind meist weniger säurebetont und süßer, oft mit Aromen von Nüssen, Kakao oder Karamell. Genau das macht sie zur perfekten Wahl für Cold Brew. Die niedrige Säure sorgt für Sanftheit, während sich die schokoladigen und nussigen Noten in der kalten Zubereitung wunderbar entfalten. Zum Beispiel ist „South of Minas“ ausgewogen und verzeiht auch kleinere Fehler bei der Zubereitung.

Karamell in jedem Schluck

Costa Rica San Rafael Tarrazú verbindet ein karamelliges Aroma mit einem minimalen Säuregehalt. Cold Brew aus diesem Kaffee hat einen volleren und süßeren Geschmack als die meisten anderen Bohnen. Die kalte Extraktion betont die Karamellnoten, während die niedrige Säure für Ausgewogenheit sorgt.

Wie kann man die Zubereitung von Cold Brew erleichtern?

Das so zubereitete Getränk hat einen großen Vorteil: Es hält sich im Kühlschrank bis zu einer Woche. So können Sie sich am Sonntag einen halben Liter Konzentrat vorbereiten und Kaffee für die ganze Arbeitswoche haben. Morgens müssen Sie ihn nur noch verdünnen, in einen Becher füllen und losgehen.

Sie müssen sich dabei nicht nur auf Wasser beschränken. Cold Brew lässt sich hervorragend mit Kokoswasser, Mandelmilch oder Tonic Water kombinieren, wodurch eine erfrischende Mischung aus Bitterkeit und feiner Säure entsteht. Das konzentrierte Kaffeegetränk geht auch in kalten Cocktails nicht unter. Es passt zum Beispiel sehr gut zu Rum, Bourbon oder Amaretto.

Cold Brew Zubereitung Schritt für Schritt

Die Basis bilden 100–150 Gramm grob gemahlener Kaffee und 600–750 ml Wasser bei Raumtemperatur, wenn Sie ein Konzentrat herstellen möchten. Möchten Sie das Getränk direkt zum Trinken zubereiten, genügen 60–80 g Kaffee auf 1 Liter Wasser. Nehmen Sie ein Glasgefäß mit Deckel oder eine French Press sowie Hilfsmittel zum Filtern: ein grobes Sieb und einen Kaffeefilter.

Abends geben Sie den Kaffee in das Gefäß und gießen das Wasser nach und nach dazu. Rühren Sie um, decken Sie es ab und lassen Sie den Kaffee 12–24 Stunden bei Raumtemperatur (ca. 20–22 °C) ziehen. Bereiten Sie den Kaffee im Kühlschrank zu, rechnen Sie mit einer längeren Ziehzeit (bis zu 24 Stunden).

Am nächsten Tag filtern Sie den Kaffee zuerst durch ein grobes Sieb und danach durch einen Kaffeefilter. Das Filtern kann, besonders bei feineren Filtern, bis zu einer halben Stunde dauern. Das fertige Konzentrat verdünnen Sie nach Belieben, meist im Verhältnis 1:1 mit Wasser, Milch oder pflanzlichen Alternativen. Bewahren Sie es in einer verschließbaren Flasche im Kühlschrank auf, dort hält es sich bis zu einer Woche.

Servieren Sie das Cold Brew mit Eiswürfeln, einer Scheibe Zitrone, Minze oder auch einem Tropfen Vanillesirup. Cold Brew findet das ganze Jahr über seinen Platz – im Sommer mit Eis, im Frühling mit Kräutern und im Winter mit warmer Milch.

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